TouchLab TERMINAL
Treffen der Regionalgruppe Köln beim Deutschlandradio
Text & Bilder: Christoph Hilser
Text & Bilder: Christoph Hilser
Im April trafen sich Kollegen beim Deutschlandradio in Köln zu einer äußerst spannenden Vorführung vpn TouchLab TERMINAL: das von dem Dirigenten und Leiter des niederländischen Ensembles Insomnio, Ulrich Pöhl und seinem Team entwickelten Echtzeitsystem.
In eindrucksvoller Weise eröffnete Ulrich die Veranstaltung mit einer Premiere: Am Beispiel eines kurzen Stückes von Antonín Dvořák demonstrierte er, wie er von Köln aus live über eine Standard-Internetleitung Musiker an verschiedenen Stellen in den Niederlanden synchron dirigiert. Die Bewegungen der Hände werden in diesem Setting, derzeit in einer Beta-Version, datenreduziert schemenhaft übertragen. Wir konnten derweil die Musik über eine Anlage, die Kollege Michael Morawietz dankenswerterweise aufgebaut hatte, genießen.
Im Anschluss erfolgte der versprochene Vortrag über die im Vorjahr erfolgte Liveübertragung der vier Orgeln in Blackburn, Berlin, Düsseldorf und Utrecht. Während in der Utrechter Kathedrale Zuhörer in zwei ausverkauften Konzerten den Klängen aller vier Orgeln vor Ort lauschen konnten, wurde die Veranstaltung über Internet weltweit übertragen. Das Publikum vor Ort hörte die Orgeln aus Blackburn, Berlin und Düsseldorf über dort aufgestellte Lautsprecher, die Orgel in Utrecht spielte live dazu – alles synchron und in Tune. Die Zuschauer an ihren Bildschirmen bekamen Livevideos aus Utrecht sowie von den einzelnen Orgel-Spieltischen.
Das dahinterstehende System TouchLab TERMINAL, eine Open-Source-Softwareanwendung für vernetzte Audioübertragung, ermöglicht es Musikern und Audio-Enthusiasten, in Echtzeit über das Internet zusammenzuarbeiten. Mit diesem System können Musiker synchronisiert und ortsunabhängig proben oder zusammen auftreten, was es besonders für virtuelle Proben, Konzerte und kollaborative Musikproduktionen geeignet macht.
• Ultraniedrige Latenz: Neben dem reinen Internettransport benötigt TERMINAL selbst weniger als 8 Millisekunden, wodurch Gesamtübertragungszeiten von unter 15 Millisekunden zwischen Musikern möglich werden – und damit nahtlose Echtzeit-Zusammenarbeit.
• Hohe Audioqualität: Übertragung unkomprimierter Audiosignale (Standard: 48 kHz, 16 Bit).
Standardmäßig wird eine Mesh-Verbindung zwischen den Mini-PCs der beteiligten Musiker aufgebaut, alternativ steht ein Hub-Modus zur Verfügung. Derzeit sind Mesh-Netzwerke mit bis zu 20 Endpunkten (entspricht 190 individuellen Verbindungen) möglich.
Jeder Endpunkt erhält seinen Vernetzungsauftrag über einen zentralen Server, konfigurierbar über ein Web-Frontend.
Zwischen den Teilnehmern entsteht ein UDP-basiertes Mesh-Netzwerk – auf minimale Latenz ausgelegt.
Jeder Mini-PC kann zusätzlich eine „Tonmeister-Verbindung“ aufbauen – entweder zu einem zentralen Tonmeister-Endpunkt oder selbst in dieser Rolle.
Optional: gesicherter (Einzelspur-)Transfer via TCP
Die Mini PCs sind ‚headless‘, dafür jedoch auf Abstand zu bedienen. Jeder Mini-PC kann als JunctionBox agieren – als Hub zur Stabilisierung schwach angebundener Endpunkte. Der Mini-PC kann direkt an Audio-Interfaces sowie Mischpulte, die „class compliant“ sind, angeschlossen werden (RME, Focusrite, Midas M32 etc.). Ein individueller Monitormix über Tablet, Laptop oder Smartphone oder auf Abstand ist möglich. Die internen OSC/MIDI-Verbindungen zwischen den Musikern sind per Tablet, Laptop, Smartphone oder Pedal steuerbar.
Natürlich rief dieser Vortrag zur Diskussion auf, was reichlich in Anspruch genommen wurde. Es wurde spät. Gut, dass es Kalt-und Warmgetränke gab.
Wer sich für weitere Details und Möglichkeiten interessiert, darf sich gerne an Ulrich Pöhl wenden. Die E-Mail-Adresse kann beim Autor angefordert werden.
An der Stelle ein herzliches Dankeschön an Ulrich Pöhl, sein Team und seine Musiker sowie an das Team des Deutschlandfunks mit Markus Pell, Günther Olliges, Michael Morawietz für die technische Unterstützung und Dr. Sebastian Roth sowie Jürgen Goeres-Petry für die Möglichkeit, das Hörspielstudio im Deutschlandfunk für diese Veranstaltung nutzen zu können.