Akustik, Austausch und Alpen: Unsere Woche in Bezau
Eine Woche voller Ton, Begegnung und Inspiration in den Bergen
Text: Rebekka Homburg, Lukas Komnenovic, Christoph Oberlin Images: Christoph Hilser
Text: Rebekka Homburg, Lukas Komnenovic, Christoph Oberlin Images: Christoph Hilser
Dank einer Förderung des VDT konnten wir, drei Studierende kurz vor Ende des Studiums, zu vergünstigten Konditionen am fünftägigen Seminar „Mischen Impossible“ in Bezau teilnehmen. In der stillen Atmosphäre eines ehemaligen Klosters bildeten Tonaufnahmen, Mixvergleiche und Fachvorträge den Kern des Programms – umrahmt von beeindruckenden Klängen und der Vorarlberger Bergkulisse.
Wir reisten aus Berlin, Düsseldorf und Stuttgart an. Die Auffahrt von Bregenz durch dichte Wälder und Alpenlandschaften ließ erahnen: Hier würde eine besondere Woche stattfinden. Im Kloster wurden wir herzlich empfangen, und schon beim ersten Abendessen zeigte sich, warum frühere Teilnehmende das Ambiente des Klosters lobten – jeder Gang glich einer fein abgestimmten Mischung.
Der Praxisworkshop wird von den Teilnehmenden organisiert und findet seit 2012 jährlich statt. Im Fokus stehen fachlicher Austausch, Praxis und das gemeinsame Erleben von Natur und Kultur. In Bezau werden Regieräume mit Stereo- bis 3D-Abhören aufgebaut; die Workshops decken technische Vergleiche von Soft- und Hardware, ästhetische Diskussionen, gemeinsame Projekte und Exkursionen ab.
Als Einstieg in die Woche stellte Holger Siedler eine Hey Jude-Coverproduktion mit originalgetreuem Mikrofonsetup und beeindruckendem Vintage-Equipment (TL-Audio VTC, Studer A80, Fairchild 670) vor. Konkret hörbar war, wie analoge Ketten Wärme, Kompression und den berühmten „Glue“ formen.
Eine Exkursion zur Orgelbauwerkstatt Rieger gewährte Einblicke in Entwurf, Pfeifenintonation und die Fertigung von Tastaturen und Spieltischen; besonders eindrücklich war zu sehen, wie der digitale Entwurf nahtlos in sorgsame Handarbeit übergeht. Vom CAD-Modell bis zur finalen Intonation wurde sichtbar, wie viele Arbeitsschritte intern zusammenlaufen und wie sehr technische Präzision und handwerkliches Können den späteren Klang und die Wirkung der Orgel bestimmen.
Vielleicht inspiriert davon planten Teilnehmende später eine Orgel- und Choraufnahme in der dem Kloster nahegelegenen Pfarrkirche Sankt Jodok. Der Tonmeister Peter Hirscher stellte dazu seinen Ü-Wagen bereit. Der Fokus lag unter anderem auf dem Hauptmikrofonsystem (drei Austrian Audio OC818) und der Software Polar Designer, welche eine flexible Justierung der Richtcharakteristiken in der Mischung ermöglicht.
Neben Technik und Diskussionen gab es auch Raum für Geselliges: Martin „Mike“ Müller sorgte für einen genussvollen Kontrast zum technischen Programm: Er zeigte uns, wie er gemeinsam mit der Regionalgruppe Frankfurt im April 2025 den sogenannten „Viele Dezibel-Trunk“ – kurz: VDT-Bier – gebraut hatte. Passend zum entspannten Ambiente in Bezau durften wir dieses am Abend gemeinsam verkosten – ein entspannter Moment, der den fachlichen Austausch und die Gemeinschaft abrundete.
Oft entstanden die besten Ideen nicht im Regieraum, sondern beim Wandern, beim Essen oder in der Pause. Das Besondere an „Mischen Impossible“ ist die offene Lernkultur: Wissen floss nicht nur von Vortragenden zu Teilnehmenden, sondern quer durch die Gruppe. Peer-Feedback, spontane Mini-Workshops und gemeinsame Projekte gaben jeder Stimme Gewicht.
Wir drei Studierenden präsentierten eigene Projekte: Rebekka ihre Diplomarbeit, welche einen Hörversuch zur emotionalen Rezeption verschiedener akustischer Umgebungen beinhaltete, Lukas eine Online-Umfrage zur Hörgesundheit von Tonmeister*innen, die im Rahmen seiner Bachelorarbeit entstand, und Christoph eine A-capella-Albumproduktion und die Frage nach dem Bedarf an Natürlichkeit in stilisierten Produktionen. Das Feedback und die Diskussionen nach den Vorträgen waren lebhaft und konstruktiv.
Die Woche endete mit einer sonnigen Wanderung auf dem Diedamskopf. Nach der Seilbahnfahrt durch die Wolkendecke erwartete uns Sonnenschein und ein Panorama, welches die Woche bündig zusammenfasste. Bezau war für uns mehr als ein Seminarort; es war Labor, Salon und Bühne zugleich. Fachliche Tiefe und menschliche Nähe machen das Format wertvoll. Wir danken dem VDT herzlich für die Förderung, die uns diese Tage möglich machte.
Rebekka Homburg schloss ihr Studium zur Tonmeisterin an der MDW Wien und der UdK Berlin ab. Ab Herbst 2025 setzt sie das Studium in Audiokommunikation und -technologie an der TU Berlin fort. Projekte und Praktika in der klassischen Musikproduktion führten sie in die Schweiz, nach Singapur und Kanada. Parallel ist sie an der TU Berlin, beim Bayerischen Rundfunk und freiberuflich als Tonmeisterin tätig.
Lukas Komnenovic schloss den Bachelorstudiengang Ton und Bild an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf ab und studiert derzeit Medientechnologie im Master an der TH Köln. Praktische Erfahrungen sammelte er in verschiedenen Studios sowie unter anderem durch ein halbjähriges Praktikum beim Produzenten Warren Huart in Los Angeles. Er arbeitet zudem als selbstständiger Recording- und Mix-Engineer.
Christoph Oberlin studiert Audiovisuelle Medien an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Er war an zahlreichen Kurzfilmproduktionen in den Bereichen Musik- und Audiopostproduktion beteiligt und sammelte Aufnahmeerfahrungen sammelte er durch Praktika sowie durch freie Mitarbeit beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. In diesem Jahr erhielt er, wie auch Rebekka und Lukas, in der Endphase des Studiums die Förderung zur Teilnahme am Seminar „Mischen Impossible“.