Treffen der RG Köln im THS-Studio

Ü-Wagen, Gongs, ein Röhrenmischpult, Würstchen und mehr

Text: Nick Mavridis, Fotos Nick Mavridis, Christoph Hilser

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Um es direkt vorauszuschicken: Nein, es gibt keinen Wettbewerb, wie viele unterschiedliche Topics sich in einem Regionalgruppentreffen kombinieren lassen. Die Zusammenkunft der RG Köln am 15.8.2025 hätte in einem solchen Fall aufgrund des bunten Straußes an unterschiedlichen Themen aber durchaus gute Karten gehabt.

Regionalgruppenleiter Christoph Hilser hat für das Treffen im Hochsommer Holger Siedler vom Tonstudio THS für ein Treffen gewonnen. Holger führt ein kleines, feines Tonstudio in seinem Reihenhaus im dörflichen Dormagener Stadteil Gohr. Er hat dort seinerseits viele Dinge miteinander kombiniert, die für die Tonmeisterschaft von Relevanz sind. Zum Treffen kamen 20 Personen, unter ihnen ein Neumitglied aus Kanada, das den Altersdurchschnitt (und den Haargrau-Anteil) der Veranstaltung deutlich senken konnte und ab nächstem Semester Student an der Robert-Schumann-Hochschule zu Düsseldorf sein wird.

Hallo, Ü-Wagen!

Offensichtlich steht nicht alle Tage ein LKW vor Holgers Haus, wie die interessierten Blicke der Nachbarn zeigten – es handelte sich um den Ü-Wagen der Folkwang-Universität Essen, den der Gastgeber einst selbst gebaut und betrieben hat. Ein Clou der ständig modernisierten, mobilen Regie: Mit nur einem Schalter kann entschieden werden, ob am analogen Mischpult gearbeitet und das große Steckfeld hinter der Heckklappe des LKW verwendet wird oder aber das Behringer/Tascam-Pult mit mobiler Stagebox zum Einsatz kommt. Diese Verbindung läuft dann schlank über AES50.

Röhren, alte Speaker und ehemalige Sauna

Als erste Station im kleinen Kellerstudio war das blaue Mischpult zu bewundern: ein Röhren-/Transistor-Hybrid aus England, das TL Audio VTC. Zentral dahinter ein Fairchild-Nachbau und ein Pärchen Altec Lansing 604. Diese galten vor langer Zeit als Nonplusultra und liefern auch heute noch beeindruckende Ergebnisse. Hinter einem Vorhang ist Holgers Servicewerkstatt zu finden, dafür wurden Kellersauna und zugehörige Dusche geopfert. Man muss eben Prioritäten setzen!

Gong-Höhenkonzert

Zu Fuß ging es dann „hoch“ zur Kirche St. Odilia. Die vorherige Beschreibung hat einige angesichts der doch sehr flachen rheinischen Landschaft verwundert. Doch tatsächlich steht die Gohrer Kirche auf einer kleinen Anhöhe. Als unsere Seilschaft trotz mangelnder hochalpiner Erfahrung die Kuppe erklommen und die Pforten der katholischen Dorfkirche durchschritten hatte, wartete ein fertig mikrofoniertes Gong-Setup auf uns. Gong-Spieler Niklas Geschwill erklärte uns, was uns in seinem Part des Konzerts erwarten wird. Er unterrichtete uns über die verschiedenen Tam-Tams, Schlegeltypen und Spielarten. Holger wies auf die Mikrofonierung hin, die ausschließlich aus Line-Audio- und NoHype-Mikrofonen aus seinem eigenen kleinen Vertriebsprogramm bestand.

Zum Konzert waren auch die Gemeindemitglieder geladen. Sie folgten der Einladung so zahlreich, dass die Kirchenbänke gut belegt waren. Minimal überpünktlich fing das Konzert an; Niklas nahm spontan das Läuten der Kirchenglocke zur vollen Stunde mit in seine Improvisation auf. Auch so mancher Tontechniker war erstaunt über die Facetten – und nicht zuletzt: die erreichbaren Schallpegel, die derartiges schwingendes Metall zu produzieren imstande ist. Niklas hat sich als Gongfluencer einen Namen gemacht; ein Video-Ausschnitt ist im Anschluss an diesen Artikel aufrufbar. Holger war so freundlich, den Teilnehmern sämtliche rohe Audiodaten für Experimente zur Verfügung zu stellen.

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Rheinische Herzlichkeit, heiße Würstchen und Gespräche

Das wundervoll bunt orchestrierte Treffen fand seinen Ausklang wieder zuhause bei Holger in rheinisch-gemütlicher Manier – also mit Würstchen vom Grill und Kartoffelsalat von Holgers Frau Marga, die sich ebenso liebevoll wie Holger um alle Gäste gekümmert hat. Die Gespräche wechselten zwischen klassischer, nerdiger Audiotie und Alltags-, Nachbarschafts- und Weltgeschehen.

Herzlichen Dank an Christoph Hilser, Holger und Marga Seidel für das vielseitige und gelungene Treffen!

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